Verfasst von: juliagoesweltwaerts | 14. Februar 2013

Mission impossible- die Sache mit dem Visum

Es ist eine ganze, ganze Weile her, dass ich das letzte Mal vond er Visumsfront berichtet habe, was einen guten Grund hat. Ich wollte auf eine Antwort von der Botschaft warten, bevor ich euch wieder mit Worten und Beschwerden überschütte- nur leider kam in den letzten Monaten nichts. N-i-c-h-t-s. Die deutsche Botschaft in Hanoi ist für mich mittlerweile ein Gebilde geworden, das scheinbar in einem Raum-Zeit-Konitnuum existieren muss, da sie weder telefonisch, noch per Mail oder Fax zu erreichen ist. Und das Widerspruchsverfahren immer noch nicht entschieden hat- aus Überlastungsgründen wurde mir über das Auswärtige Amt mitgeteilt. Direkter Kontakt, wo kämen wir dahin?

Aufgeben war für mich und meine schlaflosen Nächte aber keine Option- vor allem weil sich mein Freund so lange das Verfahren nicht entschieden ist, nicht noch einmal bei einer Botschaft im Schengenraum um ein Visum bewerben kann.

Ein Glück gab es für mich viele hilfreiche Kontakte, die mich mit ihrer Bereitschaft zu helfen umgehauen haben. Dabei heraus gekommen ist eine Petition an den Petitionsausschuss des Bundestags, die ich unten anfüge. In ihr geht es um die nicht vorhandene Bürger*innenfreundlichkeit der Botschaft. Und eine Petition an das Auswärtige Amt, damit Chi sein Visum bekommt.

In zwei Wochen fahre ich wieder nach Vietnam- lokale Protestaktionen vor der Botschaft sind nicht ausgeschlossen.

 

 

Petition

Gerichtet an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages

 

Betreff: Verwaltungspraxis in der Deutschen Botschaft in Hanoi

Anliegen der Petition:

  • Bitte um mehr und bessere Informationen sowie Kommunikation bei Konsularangelegenheiten in der Deutschen Botschaft in Hanoi (über den Prozess der Visumsbeantragung, interne Kommunikation zwischen vietnamesischen und deutschen Mitarbeitern sowie nach außen zu Antragsteller/-innen und ihren Bevollmächtigten)
  • Bitte um Überprüfung der Fähigkeiten und eventuelle Nachschulung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen
  •  Bitte um zeitnahe Entscheidungen bei Remonstrationen

 

Begründung

Mein Name ist Julia Behrens und ich bin Studentin der Asienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Mein Anliegen an Sie ist ein persönliches, das jedoch zugleich auch von allgemeinem Interesse ist, denn es betrifft alle Personen, die an der deutschen Botschaft in Hanoi ein Visum beantragen Mit meiner Petition möchte ich den Bundestag und das Auswärtige Amt bitten, die Praxis der Vergabe von Visa sowie die interne und externe Kommunikation an der deutschen Botschaft in Hanoi zu überprüfen. Dazu möchte ich meine Erfahrungen schildern sowie Vorschläge zu einer besseren und rechtmäßigeren Verwaltungspraxis übermitteln. Ich bin davon überzeugt, dass die jetzige Ausübung der Vergabe von Visa und der Kommunikation innerhalb der Botschaft sowohl deutschen als auch vietnamesischen Bürgerinnen und Bürgern Unrecht tut und nicht den rechtsstaatlichen Ansprüchen an die Vorhersehbarkeit und Bestimmtheit von Verwaltungshandeln entspricht.

Zur Hintergrundgeschichte:
Nach dem Abitur 2009 habe ich beschlossen, mit weltwärts ein Jahr in Vietnam zu verbringen. In dieser Zeit habe ich mein Bestes gegeben, die Ziele, die mir vom Programm des Bundesministeriums für  Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesregierung mitgegeben wurden, zu verstehen und umzusetzen- Verantwortung, Verständnis für andere Kulturen, sich selbst weiter entwickeln und dazu beitragen, dass die Welt enger zusammen rückt. Ich habe Vietnam lieben gelernt und schließlich auch eine Person im Besonderen- Herrn Chi Huu Vu. Dies ist schon fast 3 Jahre her, in der Zwischenzeit habe ich 5 Semester Asienwissenschaften studiert und ein Auslandssemester sowie ein Praktikum wiederum in Vietnam absolviert. Zwei Jahre habe ich also in Vietnam verbracht und vieles über die Kultur, das Leben meines Freundes gelernt, habe seine Familie und Freunde kennen gelernt. Weihnachten 2012 sollte Herr Vu nun mich in meiner Heimat besuchen, meine Kultur und meine Familie kennen lernen. Um mich zu verstehen, um sich selbst weiter zu entwickeln, dazu beizutragen, dass die Welt enger zusammen rückt. Eben das, was ich durch weltwärts ein Jahr tun durfte, wollte er für nur einen Monat als Tourist in Deutschland erfahren. Doch das Visum wurde ihm verwehrt. Die Begründung: seine Gründe zur Reise nach Deutschland (also mich zu besuchen) seien unglaubwürdig und ein Wille zur Rückkehr nicht erkennbar. Dabei hat Herr Vu seinen Willen zur Rückkehr durch den Nachweis von geregelter Arbeit und Gehalt sowie die Bestätigung und persönliche Unterstützung seines Arbeitgebers nachgewiesen. Die eingereichten Papiere entsprachen allen von der Botschaft im Vorfeld aufgeführten Anforderungen, nach dem persönlichen Interview kam die Ablehnung ohne weitere konkrete Begründung. Dies geschah Mitte bis Ende Oktober.
Meine Mutter, die dankenswerter Weise die Verpflichtungserklärung für den Visumsantrag unterschrieben hatte, übernahm auch die Vollmacht für Herrn Vu, um eine Remonstration einzulegen und hier beginnen die Probleme, bei denen ich Sie um Hilfe ersuche.

Herrn Vu wurde es verwehrt, selbst Remonstration einzulegen, da in der Botschaft in Vietnam keine vietnamesischen Dokumente entgegen genommen werden. Deswegen wurde Frau Katrin Behrens zur Bevollmächtigten und legte die Remonstration ein, die Vollmacht wurde von Herrn Vus Chef (Herr Phung Huy Nguyen) persönlich in der Botschaft abgegeben, weil Herr Vu wegen der Arbeit verhindert war. Daraufhin hörten wir 3 Wochen nichts. In der Zeit war die Botschaft weder telefonisch (keine Durchstellung durch Telefonistin) zu erreichen, noch antwortete sie auf Emails oder Faxe. Erst als wir uns an das Auswärtige Amt wandten, erhielten wir Informationen. Die Vollmacht sei angeblich in der Botschaft nie angekommen. Herr Vu fuhr daraufhin zur Botschaft und fragte persönlich nach. Ob es damit im Zusammenhang steht, weiß ich nicht, jedoch fanden die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dort die Vollmacht wieder. Weiterhin konnte kein Kontakt zu Botschaft aufgebaut werden, jeder Kontakt lief über das Auswärtige Amt, das uns mitteilte, dass eine Entscheidung frühestens in der Woche vom 17.-23.12. zu erwarten sei.
Neben dem Problem, dass es einer deutschen Staatsbürgerin nicht möglich ist, die Botschaft zu kontaktieren, tritt hier das zweite Problem zu Tage. Dieser Entscheidungstermin lag nach dem beantragten Termin zur Einreise und nach dem gebuchten Flug am 14.12. Die Botschaft bestritt über das Auswärtige Amt, dass ein Flug gebucht werden müsse- eine Reservierung reiche für den Visumsantrag aus. Es scheint, als seien die vietnamesischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht im Besitz der gleichen Informationen, denn diese bestätigten auf Nachfrage, dass das Flugticket gekauft und nicht nur reserviert werden müsse. Ich schreibe Ihnen heute am 21.1. und eine Entscheidung über die Remonstration ist noch immer nicht gefallen.

Ich habe das Glück, mir nahestehende Personen in Hanoi zu haben, die durch Zufall privat mit der Botschaft in Hanoi in Kontakt kamen und so erfuhr ich die einzigen Informationen, die erklären, warum der Visumsantrag abgelehnt wurde. Bei dem Interview, das zur Ablehnung führte, war ein deutscher Mitarbeiter der Botschaft, ein vietnamesischer Übersetzer sowie Herr Vu anwesend. Die Versionen von Herrn Vu und die des deutschen Mitarbeiters über den Verlauf des Interviews unterscheiden sich erheblich, so dass ich vermute, der Übersetzer könnte über nicht ausreichende Fähigkeiten für seine Aufgabe verfügen.
Darüber hinaus habe ich gemeinsame Freunde und Freundinnen von Herrn Vu und mir hier in Deutschland gebeten, eine Email an die Botschaft zu richten, um von ihrer Seite zu versichern, dass Herr Vu vertrauenswürdig ist und der Zweck der Reise glaubwürdig. Ich bin mir bewusst, dass das eine unorthodoxe Methode ist, doch es schien mir, dass dies der einzige Weg war, aus Deutschland zu beweisen, dass die Begründung der Botschaft zur Ablehnung des Visums nicht tragfähig ist. Leider wurde vielen der uns unterstützenden Personen nie geantwortet und über Umwege habe ich wieder erfahren, dass wir uns der Botschaft zufolge damit keinen Gefallen getan hätten, im Gegenteil.

Ich hoffe, Sie verstehen, dass es mir zwar auch darum geht, dass ich nicht nachvollziehen kann, wie Herr Vus Visum abgelehnt wurde. Doch zu allererst geht es mir um die Praxis der Deutschen Botschaft in Hanoi, Informationen schwer zugänglich zu machen, nicht für Kommunikation offen zu stehen sowie um die Frage, ob vietnamesiche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihren Aufgaben entsprechend geschult sind. Außerdem auch darum, dass Entscheidungen hinaus gezögert werden, wodurch bei den Antragstellern und Antragstellerinnen finanzieller (Flugticket, Post,…) und emotionaler Schaden entsteht.

Meine Bitte an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestag ist es, sich mit den von mir vorgetragenen Problemen  zu befassen und durch die Schilderung meiner Erfahrungen möglicherweise einen Anstoß für eine Überprüfung und Veränderung der Verwaltungspraxis an der Deutschen Botschaft in Hanoi zu geben.

Mit der Hoffnung, dass Sie mir weiterhelfen können und mit freundlichen Grüßen

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | 1. Februar 2013

Antwort

Der Autor, an den mein kritischer Brief gerichtet war, hat geantwortet. Mein Gedanke in kurz dazu: Ich stimme nicht in allen Punkten mit ihm überein, aber er hat für mich einiges klarer gemacht, als es aus seiner Kolumne herauszulesen gewesen wäre- und er hat mir geantwortet, ich meine, hey! Deswegen möchte ich das euch auch nicht vorenthalten.

 

Liebe Frau Behrens

vielen Dank für Ihre Zeilen. Wissen Sie, ich würde keinen Schwarzen einen Neger nennen. Ich würde auch keinen Sinti oder Roma als Zigeuner bezeichnen. Ob in seiner Anwesenheit oder im Verborgenen. Ich würde das nicht tun, weil ich weiß, dass diese Bezeichnungen verletzen können. In meiner Kolumne ging es aber um etwas anderes. Es ging um Bücher und Begriffe, die zu einer Zeit geschrieben und geprägt wurden, als sich noch nicht alle einig waren, dass man Neger und Zigeuner nicht sagen darf. Diese Worte nun im Nachhinein verschwinden zu lassen, so als hätte es die politisch vorkorrekte Zeit nie gegeben, halte ich für sehr problematisch. Ich glaube auch nicht, dass es dem Kampf gegen den Rassismus dienen würde, dem ich mich verpflichtet fühle. Denn ich halte es gerade für wichtig, solche Spuren zu behalten, um an ihnen erklären zu können, wie die Dinge früher einmal waren. Die Deutschen neigen zu, die Spuren der Geschichte zu vernichten, wenn sie diese für überwunden halten. Deshalb wurde zum Beispiel der Palast der Republik abgerissen. Als Symbol eines Unrechtsstaates. Aber wäre es nicht besser gewesen, das Symbol zu behalten und unseren Kindern erklären zu können, wofür es steht? Genau wie man den Negerkönig in einem Kinderbuch erklären kann. Und ihn nicht einfach auslöschen darf, als hätte es ihn nie gegeben. Ich bin überzeugt davon, dass durch Zensur noch nie etwas Gutes geschehen ist. Davon sind nur die Zensoren überzeugt. Niemand wird zum Rassisten, wenn er von einem Negerkönig liest. Und niemand wird bewahrt davor, Rassist zu werden, wenn er von einem Negerkönig liest. Aber alle werden bevormundet, wenn sie nie von ihm lesen können. Die Freiheit ist das wichtigste Gut, das wir haben. Noch wichtiger als die politische Korrektheit. In diesem Sinne einen schönen Tag

Ihr Maxim Leo

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | 24. Januar 2013

Debatten, die weh tun

Mit dem Huntergrund der Überarbeitung von Kinderbüchern haben sich manche Journalisten dieses Landes angegriffen gefühlt. Sie verteidigten in den letzten Wochen ihr Recht, rassistische Sprache zu benutzen. Diese Gedankengänge, in denen die Journalisten (ich habe nur Artikel von Männern gelesen, aber falls eine_r von euch auch solch einen Artikel von einer Autorin gelesen hat, schickt mir bitte den Link) sich zu Opfern der Zensur machen, tun mir weh und sie erscheinen mir als schlicht nicht zu Ende gedacht. Einen Leserinnebrief habe ich an die Berliner Zeitung geschrieben und den möchte ich gerne mit euch teilen.

 

Glückwunsch, Sie haben mir gründlich das sonntägliche Frühstück versaut. Und den ganzen restlichen Sonntag mit. Wahrscheinlich nicht nur mir, sondern vielen anderen auch. Ein paar werden vor Freude juchu geschrien haben- diese Antwort richtet sich auch an sie.
In ihrer Kolumne im Magazin der Berliner Zeitung vom 19.1. gehen Sie auf die Debatte um die Überarbeitung von Kinderbüchern ein. Sie verteidigen Ihr Recht, rassistisch konnotierte Worte zu benutzen. Sie seien kein Rassist, sagen Sie- okay, aber Sie sind jemand, der eine rassistische Sprache pflegt und die anscheinend gerne an die nächste Generation weiter gibt.
 Also… es ist doch eine normale Sitte in der Gesellschaft, sich gegenseitig nicht grundlos zu beleidigen. In dem Punkt stimmen Sie mir bestimmt  zu. Würden Sie den Mann an der Bushaltestelle neben sich, mit dem sie kein Wort gewechselt haben, als minderwertigen Dummkopf bezeichnen? Ich gehe mal davon aus, dass sie das nicht machen würden. Naja, warum bezeichnen Sie dann aber so gleich einen ganzen Haufen von Menschen, den Sie nicht kennen? Sie kennen die Bedeutung des Wortes, aber vor allem kennen die Personen, die Sie so bezeichnen die Bedeutung. Persönliche Freiheit hört da auf, wo die des anderen anfängt. Ist Ihnen die Benutzung dieses einen Wortes wirklich so wichtig, dass es Ihnen egal ist, dass sich Millionen von Menschen dadurch schlecht fühlen, beleidigt, diskriminiert?
Wer wurde in der Geschichte der Welt versklavt, massenhaft ermordet, beraubt? Kleiner Tipp, die weißen Männer waren es nicht. Das ist das Erbe Europas, was keineswegs nicht mehr aktuell ist. Wir werfen Lebensmittel weg während andere verhungern, wir subventionieren unsere Lebensmittel bis beispielsweise Ghanaische Bauern im eigenen Land nicht wettbewerbsfähig sind, ihr Einkommen verlieren. Wir liefern Waffen und nehmen Bodenschätze. Ist es da nicht in Ordnung, wenigstens auf dieses kleine Wort zu verzichten, als klitzekleinen Beitrag zu einer gerechteren Welt?
Die Geschichte sei Geschichte, sagen Sie, man könne heute bestimmte Worte auch ohne ihre ursprüngliche Bedeutung benutzen.Sprache ist nichts unabhängiges- Sprache und Worte stehen immer im Kontext ihrer Geschichte, vor allem im Kontext der Zeit, in der sie entstanden sind. Das Wort, auf das Sie sich beziehen hatte zu seiner Entstehungszeit einen unleugbaren rassistischen Kontext. Wo soll es diese Konnotation verloren haben? In unserer heutigen gerechten und toleranten Welt? Ich empfehle Ihnen die (nochmalige?) Lektüre der soziologischen Klassiker: Durkheim, Bourdieu, Berger Luckmann- alle erklären, dass Sprache mehr ist, als nur bloße Worte. Dass ganze Kulturen und Gedankenkonzepte daran hängen- von codes, die entschlüsselt werden müssen ist da zum Beispiel die Rede. Warum sonst gibt es in manchen Sprachen bestimmte Worte, die in anderen Sprachen und Kulturen wiederum fehlen? Warum gibt es in Europa Artikel, während es in vielen asiatischen Sprachen Klassifikatoren gibt? Du, Sie, you, anh, ni, tu, vous,… Ganze gesellschaftliche Konzepte werden in der Sprache wiedergespiegelt.
Außerdem, wenn Sie einen Text lesen, und über den Autor nachdenken, aber den Namen nicht kennen, welches Bild kommt Ihnen in den Kopf? Statistisch gesehen ein weißer Mann- solange sich das nicht ändert, wollen Sie wirklich die Sprache von frei von Vorurteilen erklären?
Zuletzt: Halten wir uns noch einmal vor Augen, dass es um Kinderbücher geht. Wie wollen Sie einer sechs-Jährigen erklären, dass ihre Heldinnen Worte benutzen dürfen, die sie nicht benutzen soll? Lassen Sie uns die Chance einer neuen Generation nutzen, die Zukunft der Gesellschaft ein bisschen besser zu machen- für alle. Es ist ja nicht so, dass die Originale verschwinden. Ich finde Ihre kritischen Töchter klasse und würde sie gerne auf ein Eis einladen.
Es ist immer einfach, so etwas zu schreiben wie Sie, wenn man in der eindeutigen Machtposition ist. Bitte, falls Sie mal Zeit, setzen Sie sich hin und denken nochmal drüber nach.

 

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | 25. Dezember 2012

Lighter than Orange

Man muss nicht ins Kriegsmuseum gehen, um sie zu sehen, Opfer des Amerikakrieges. Auf den Straßen, vor allem aber in den Waisenhäusern und Zentren für Behinderte- Kinder, denen Gliedmaßen anders gewachsen sind, die mental Schwierigkeiten haben, Taube, Blinde. Viele, sehr viele. Sie haben den Amerikakrieg nicht miterlebt, vielleicht haben sie davon auch noch nie gehört oder verstehen es einfach nicht. Ihre Eltern waren damals zur falschen Zeit am falschen Ort und haben unfreiwillig ein Erinnerungsstück an den Krieg erhalten: eine Veränderung im Erbgut. Agent Orange klingt harmlos, ist aber ein unglaublich wirksames Gift, dessen Folgen die Vietnamesische Bevölkerung bis heute heimsucht. Es sollte auch die amerikanische Armee bis heute daran erinnern, was für Zerstörungen sie in einem Land hinterlassen haben, dass nichts falsch gemacht hat, außer für Freiheit, Glück und Unabhängigkeit zu kämpfen. Die vietnamesischen bo doi (Soldat/-innen) kannten sich auf ihrem Terretorium so gut aus, dass sie der technischen und personell überlegenen amerikanischen Armee Parolie bieten konnten. Die Natur half ihnen, also musste die Natur zerstört werden. Es gab nicht nur Agent Orange, es gab viele Agents, doch der orange entblätterte schließlich die Wälder und veränderte die Gene der Menschen, die mit ihm in Berührung kamen. Direkt bei Angriffen, in dem sie unwissend Müllfässer inspizierten, die die US-amerikanischen Soldat/-innen zurück ließen oder indirekt- viele Seen haben noch heute eine hohe Konzentration von Agent Orange. Auch in Großstädten, wie Saigon. Die Blätter an den Bäumen mögen nachgewachsen sein, aber die Erde, in denen Gemüse wächst und das Grundwasser, das durch Brunnen hochgepumpt wird, wurde kaum untersucht. Angefangen wurde eine Dekontaminierung in Saigon, was gut ist, aber letztlich doch nur ein Anfang, da das ganze Land zu kämpfen hat. Warum so wenig getan wird? Vietnam ist bekanntlich nicht das reichste Land der Erde, Dekontaminierungen sind teuer. Die USA macht finnziell nicht mit, warum auch? Chemiefirmen ziehen sich aus der Verantwortung. Auch eine deutsche Firma hat Agent Orange hergestellt und an die Gis geliefert. So haben viele Veteran/-innen den Krieg zwar offiziell verloren, aber ihren persönlichen Kampf verlieren sie. Viele können sich nicht angemessen um ihre behinderten Kinder kümmern. Sie sind alt, wer soll sich nach ihrem Tod ihren Kindern annehmen?

„Lighter than Orange“ ist ein wunderbarer Film, der sich genau dieser Thematik annimmt. Wie so oft bei großen Dingen, ist auch dieser Film aus einer kleinen Idee geboren worden. Felix, auch wie ich damals Freiwilliger in Vietnam, hat in einer Einrichtung für behinderte Kinder gearbeitet, im Friendship Village in Hanoi. Losgelassen hat ihn das nicht mehr und mit der Hilfe von vielen Zufällen und sehr viel Können ist nun am Ende dieses Projekt dabei entstanden. Bitte schaut euch die Website an und so bald es möglich ist, auch den Film. Aufklärungsarbeit ist das hauptsächliche Ziel vom Dokumentarfilm, aber auch ein konkrete Hilfe ist daran geknüpft: wenn man anfängt so eng mit den Betroffen zu arbeiten, lassen einen Einzelschicksale nicht kalt. Einnahmen vom DVD-Verkauf, Spenden, usw. gehen deswegen in die Zukunft zweier Kinder, die ihr im Film sehen werdet. Also: watch it and spread the word!

http://www.indiegogo.com/projects/290858

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | 8. Dezember 2012

Sicher ist sicher.

Es ist kein Gefängnis. Es ist ein Gewahrsam. Die Menschen, die hier einsitzen, haben kein Verbrechen begangen, sondern eine Ordnungswidrigkeit. Und trotzdem sind überall Gitterstäbe und überall Polizisten und überall Unfreiheit. Seit kurzem helfe ich als Übersetzerin bei der Initiative gegen Abschiebehaft. Die Initiative setzt sich seit 2004 dafür ein, dass das Abschiebegefängnis geschlossen wird und Asylsuchende, Geduldete, so genannte „Illegale“, alle ohne einen deutschen Pass, menschlicher behandelt werden. Bis es soweit ist, werden Inhaftierte im Abschiebegefängnis in Grünau besucht, um zu sehen, ob rechtliche oder emotionale Hilfe gebraucht wird. Früher saßen 100 bis 200 Menschen in Haft, weil sie das Verbrechen begangen haben, ein besseres Leben haben zu wollen. Zur Zeit sind es nur noch um die 15, vor kurzem saß sogar nur eine einzige Person, bewacht von über 100 Polizisten und Polizistinnen. Doch ob hundert oder einer, keiner sollte Wochen oder sogar Monate dort in Grünau verbringen müssen. Das ist ein Symbol für die Anmaßung Europas, den eigenen Reichtum, der auf der Armut andere Länder und Menschen aufbaut, bis zum Äußersten zu verteidigen.
Männer und Frauen befinden sich in dem weiß-gräulichen Gebäude, Menschen aus Moldavien, Gambia, Niger, der Ukraine, Vietnam,… Und da komm ich ins Spiel. Schon seit langem bilden die vietnamesischen Insassen einen großen Anteil, ein Grund dafür ist, dass die vietnamesische Botschaft gut kooperiert und regelmäßig Sammelabschiebungen organisiert. Ich besuche nun zusammen mit anderen Mitgliedern der Initiative gegen Abschiebehaft einmal wöchentlich diese Vietnamesen und Vietnamesinnen. Wir reden mit ihnen über ihre Vergangenheit, was sie hier machen, was sie tun werden, wenn sie zurück geschickt werden, ob sie etwas brauchen und bringen Tee oder Süßigkeiten mit. Die unterschiedlichsten Schicksale gibt es in Grünau. Einer, der bei einer Schleuserbande gearbeitet hat, andere, die Zigaretten verkauft haben und manche, die hier bei ihren Verwandten sein wollten. Die Beweggründe, nach Deutschland zu kommen, sind so zahlreich wie es Menschen gibt. Wirtschaftliche Erwägungen spielen eine Rolle, aber manche fühlen sich in ihrem Geburtsland ganz einfach nicht wohl, wie auch manche Deutsche auswandern. Politisch Verfolgte gibt es ebenso, unter den vietnamesischen Häftlingen jedoch so gut wie gar nicht.
Aber was kann man machen, wenn man hinter Gittern sitzt? Viele meiner Begegnungen sitzen einfach nur die Zeit ab, spielen Karten oder Tischtennis, schauen Fernsehen. Es hat mich überrascht, was für ein großer Teil der Menschen, die mir begegnet sind, einfach nur zurück wollen, keine Lust haben, sich mit der deutschen Bürokratie rumzuschlagen. Aber einfach so zurück in ihr Land dürfen sie auch nicht. Sie müssen warten, bis ihre Botschaft grünes Licht gibt. Und jeder Tag im Gewahrsam kostet die Betroffenen 55 Euro. Hier erst merkt man, dass es ein Gewahrsam, nach dem Gesetzeslaut kein richtiges Gefängnis ist. Die Unterkunft, das Essen, der Umgang miteinander seien den Umständen entsprechend sehr gut. Langeweile, klar. Einsamkeit, Ungewissheit. Willkür. Die ärztliche Versorgung ist ein Sorgenpunkt. Ein Vietnamese hat starke Rückenschmerzen. Er darf zum Arzt, doch die Diagnose kriegt er nie übermittelt. Er bekommt Schmerzmittel, die selben Pillen, die sein Zellengenosse gegen Schmerzen in der Hand bekommt und sie helfen nicht. Doch er muss warten, eine richtige ärztliche Versorgung wird es erst wieder in Vietnam geben, die deutschen Behörden wollen vielleicht nicht zu viel Geld an ihn verschwenden?
Wenn ich besuchen gehe, freue ich mich darauf. Denn für mich ist es bewundernswert, Menschen treffen zu können, die trotz ihrer Lage zuversichtlich, positiv sind, die trotz all den schlechten Erfahrungen positiv von Europa sprechen und sich für die Besuche mit ausgesprochener Herzlichkeit bedanken. Sicher unterscheidet sich die Verfassung und vor allem die Kampfbereitschaft zwischen den Nationen. Die vietnamesischen Insassen scheinen mit der Rückkehr lockerer umzugehen als beispielsweise Asylsuchende aus Nordafrika, die auf keinen Fall zurück wollen. Die in einem kleinen Boot übers Mittelmeer Verfolgung oder Armut entkommen. Sie wollen oft bleiben, koste es was es wolle. Für diese rechtlichen Fragen gibt es den republikanischen Anwaltsverein, der einmal in der Woche die Häftlinge besucht und schaut, bei wem sich aus den Unklarheiten von Dublin 2 noch eine Duldung herausschlagen lässt. Es ist unglaublich kompliziert, versucht man diplomatische Verwicklungen, rechtliche Grundlagen zu verstehen. Auch Seelsorger kümmern sich fast täglich, vor allem aber nicht nur christliche. Sie halten Gottesdienste ab, vermitteln medizinische Hilfe und spielen Fußball. Manche haben auch Verwandte oder Bekannte in Berlin, die sie besuchen. Eine Stunde am Tag ist das erlaubt. Durch das erste metallene Gittertor mit Fernsprechanlage. „Hallo?“ „Hallo, wir wollen besuchen!“ „Wen denn“ „Herrn XY, Haftnummer 000“. Das Tor schwingt auf, nach ein paar Metern der Eingangsbereich: Ausweis abgeben, Sachen wegschließen, Metalldetektor. Einmal PIEPS. Dann durch eine weitere Gittertür und man ist im leeren Besucherraum. Hübsch ist er eigentlich, Comicfiguren sind an die Wand gemalt, falls Kinder mit zum Besuch kommen. Pflanzen vergrünen das Ganze. Und überall blaue Uniformen. Die scheinen sich ziemlich zu langeweilen. Viel zu tun gibt es bei 15 Häftlingen nicht, da ist die Playstation im Polizeizimmer in Hochbetrieb. Warum die Zahl der Verhafteten so eingebrochen ist, ist nicht klar. Vielleicht kommen durch die Drittstaatenregelung von Dublin 2 nicht so viele Leute in Deutschland in Gewahrsam oder die Anti-Knast-Proteste zeigen Wirkung. Die gehen auch weiter, wie jedes Jahr am Nachmittag des 31.12., die letzte Chance des Jahres, etwas fürs Karma zu tun. Denn egal wie viele einsitzen, das System an sich muss weg und Europa einsehen, dass es vielleicht im Kontinent Frieden herstellen konnte, doch die Konflikte an den Außengrenzen immer stärker und stärker werden.

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | 18. Oktober 2012

In eigener Sache. Oder: Visa und andere Traumschlösser

Heute ist kein guter Tag. Gestern war er es auch schon nicht. Doch gestern hatte ich vor allem die als „Wohlstandsprobleme“ bezeichneten Wehwehchen- mein Mp3-Player kaputt, Profs, die die Belange ihrer Student/-innen nicht verstehen wollen, die Bahn kam mal wieder nicht. Doch heute, heute darf ich wütend sein. Heute darf ich vor Zorn heulen und Dinge durchs Zimmer schmeißen. Heute war der deutsche Staat bürokratisch, ungerecht und rassistisch. Ist alles nicht besonders neues, aber besonders wurde es für mich, weil es meine diesjährigen Weihnachtspläne betraf.

Ich habe einen Freund. Und einen roten Reisepass. Er hat einen grünen. Auf seinem steht nicht Bundesrepublik Deutschland sondern Vietnam. Deswegen wird ihm das Tor in der Festung Europa nicht heruntergelassen, sondern bleibt fest verschlossen. Seit fast 2 ½ Jahren sind mein Freund und ich zusammen. Bis jetzt immer auf vietnamesischen Grund und Boden und schon über ein Jahr davon in einer Fernbeziehung. Ich hab die letzten Jahre damit verbracht, seine Kultur und seine Familie kennen zu lernen. Nun sollte es anders herum werden. Er sollte mich besuchen, meine Uni sehen, in der ich mir nun im 5. Semester den Kopf zerbreche, sich wortlos mit meinen Eltern angrinsen (weil keiner die jeweils andere Sprache wirklich beherrscht), Berliner Luft schnuppern und: mich verstehen. Verstehen, warum ich gereizt reagiere, wenn er unseren Umzug einen Abend bevor es losgehen soll verschiebt. Denn das ist das unleugbare Deutsche in mir. Nicht nur für mich oder für uns: für ihn soll er sehen, was es 14 Stunden Flug weiter noch so gibt.

Also haben wir alle nötigen Papiere für die Botschaft zusammen getragen: Antragsformular, Passfoto 4,5×5,5 cm (gibt´s in Hanoi nur bei einem bestimmten Fotografen), Arbeitsvertrag (läuft seit 5 Jahren im selben Betrieb), Urlaubsgenehmigung vom Chef, Flugtickets, Einladungsschreiben mit Verpflichtungserklärung und Einkommensnachweis meiner Mutter, Kontoauszüge der letzten drei Monate, Gehaltscheck der letzten drei Monate, Reisekrankenversicherung, Kontaktdaten von Freunden in zwei weiteren Schengenstaaten, die er auf seiner Europareise besuchen wollte. Alles da, trotzdem abgelehnt. Warum? Hier die Begründung: „Die vorgelegten Informationen über den Zweck und die Bedingungen des beabsichtigten Aufenthalts waren nicht glaubhaft“.

Zusammengefasst: Eine Staatsbürgern garantiert, dass sie alle Kosten für den Reisenden übernehmen wird- inklusive Abschiebehaft im schlechtesten Fall. Die Botschaft traut ihren eigenen Staatsbürger/-innen nicht. Mein Freund garantiert nach besten Wissen und Gewissen, dass er nach Vietnam zurück kehren wird. Für ihn ist Deutschland nicht das gelobte Land. Schwer zu glauben, ist aber so. Die Botschaft kriminalisiert Vietnames/-innen.

Nun bin ich nicht die erste, der es so geht. In Internetforen wie forum-vietnam.de wird täglich auf die Strenge der deutschen Botschaft geschimpft. Deutschland sei eines der härtesten Brocken, wolle man in die EU einreisen. Komisch, eigentlich sollte das Schengenvisum doch überall nach den gleichen Kriterien ausgestellt werden. Konkrete Statistiken hab ich nicht, doch nach gefühlten Berichten aus dem Bekanntenkreis werden weit über die Hälfte der Einladungen an Vietnames/-innen von Deutschen nach Deutschland mit immer der Begründung der Unglaubwürdigkeit abgelehnt. Was dagegen gut ankommt sind Einladungen von Firmen bzw. Organisationen und vietnamesischen Verwandten. Bin ich schwer von Begriff, oder ist wie Wahrscheinlichkeit, dass eine Mutter im Rentenalter sich entscheidet, doch bei ihren Kindern zu bleiben, ein wenig wahrscheinlicher, als dass eine Erwerbstätige Person, die Urlaub machen will, sich dazu entscheidet? Vielleicht auch nicht, aber die Entscheidung erscheint mir in jedem Fall willkürlich.

Die Festung Europa ist ein weites Problem. Sie beginnt beim fürchterlichen Sterben von Flüchtlingen an Europas Grenzen, geht über unmenschliche Bedingungen in Asyllagern und endet bei Visa, die für Antragsteller/-innen nichts weiter als Traumschlösser bleiben. Ich hab keine Lust das hinzunehmen. Ich will kämpfen. Ich habe mithilfe meiner Freund/-innen eine Email-Flut an die Botschaft gestartet, werde mich an alle Personen wenden, von denen ich hoffe, dass sie mir helfen kann. Falls ihr das zufällig lest und mir entweder helfen könnt oder das selbe Problem habt- meldet euch. Wir kämpfen zusammen.

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | 13. Oktober 2012

Verstehst du mich?

Nachdem ich in Vietnam mit der Sperre von WordPress zu kämpfen hatte, werd ich auch zurück in Berlin ein wenig weiterbloggen.

 

Ein einziges BlaBlaBla, eine verbale Masse, ein Strom von nicht abbrechenden fremdklingenden Wörtern. Geheimnisvoll, lächerlich, melodiös. Fremde Sprachen bieten eine Faszination, eine unsichtbare Mauer und sind Zeugen von Völkerwanderung, politischen Konflikten, doch vor allem von kulturellen Eigenheiten und Gedankenwelten.

Will man sich ernsthaft mit einem anderen Kulturkreis auseinandersetzen, dann bleibt einem nichts anderes übrig als sich 1. an den Essenstisch einer einheimischen Familie und 2. auf die Schulbank zu begeben. Essen und Sprache, zwei so grundlegende alltägliche Dinge, können mehr verraten als 1000 Reiseführer. Nicht nur, dass wenn man es geschafft hat, die lokale Sprache bis zu einem Konversationsniveau zu beherrschen, sich unterhalten kann. Darüber hinaus lernt man im Prozess, wie und warum eine Sprache aufgebaut ist und damit, im Groben gesprochen, wie eine Kultur tickt, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Kreisen. Da ich mich am besten mit den Sprachen auskenne, die ich auch tatsächlich spreche, werde ich mich im folgenden überwiegend auf Vietnamesisch, Deutsch, Englisch und Französisch beziehen. Möge der Kampf der Kulturen beginnen.

  1. Runde: Artikel vs. Klassifikatoren

Der, die, das. Wer, wie, was. Wieso, weshalb, warum. Wer nicht fragt bleibt dumm. Dass Artikel gar nicht so selbst verständlich, sondern eigentlich ziemlich, naja, dumm sind, merkt man erst, wenn man als deutscher MuttersprachlerIn versucht, die Artikel jemandem zu erklären, in dessen Sprache es keine gibt. „Weißt du, im deutschen steht manchmal vor konkreten Sachen noch so ein kleines Wort, je nach Geschlecht des Dinges. Zum Beispiel der Tisch da ist männlich… ja, genau, sehr männlich. Und die Wand ist weiblich. Und das Kind hat gar kein Geschlecht. Also eigentlich schon, aber nicht in der Sprache, da ist es sächlich, genauso wie das Glas….“. Wer hat sich so einen Mist ausgedacht? Scheint irgendwie an den EuropäerInnen zu liegen. Frankreich ist immerhin das Sächliche losgeworden und England, sprachlich eigentlich unsere Verwandten, kommt mit einem kleinen Wort wunderbar aus.
Vietnamesisch hingegen sieht die Sache, genauso wie andere asiatische Sprachen, anders. Geschlechter sind egal, was es ist, bestimmt das Vorwort eines Dings. Ist es rund, heißt es quả, ist es ein Teil von etwas größerem heißt es chiếc, ist es ein Lebewesen heißt es con usw. Scheint mir auf den ersten Blick irgendwie logischer als unsere geschlechtsreifen Artikel, jedenfalls kann man hier nachvollziehen, wieso, weshalb, warum.

2. Runde Personalpronomen: Du&Sie vs. Oma&Opa

Als ich an der Vietnam National University war, war ich auf zwei Seiten. Ich war die Gute, die Gepeinigte, die Machtlose. Ich war Studentin.  Doch ich war auch die Böse, die Unberechenbare, die, die in Sekunden Wünsche zerstören konnte. Ich war eine Tante- eine Lehrerin (für Englisch). In einer Stunde ließ ich meine gleichaltrigen Schützlinge erklären, welche Werte ihnen wichtig seien und welche nicht. Das Ergebnis hat mich dann doch mehr als weniger überrascht. Familie war die unangefochtene Nummer eins, die Liebe konnte man vergeblich suchen, sie belegte einen beschämenden letzten Platz. Familie gibt dem Leben Struktur, sie zieht dich groß, dafür stellst du einen Großteil deines Erwachsenenlebens in ihren Dienst. Während in Deutschland oft entweder die Gesellschaft an sich heilig ist oder auch das Individuum, bildet die vietnamesische Familie den Kernpunkt des Lebens, der sozialen Struktur. Das spiegelt sich anhand der Personalpronomen auch in der Sprache wieder. Du bist nicht einfach du. Du wirst definiert. Durch dein Alter, dein Geschlecht und deine gesellschaftliche Stellung bekommt jedeR einen Platz in der Familie zugeordnet. Alle zahnlosen, herzlich lächelnden alten Damen sind meine und deine Großmütter. Die Verkäuferin, die dir dein Essen verkauft, ist deine große Schwester und dieser anzügliche Taxifahrer dein Onkel. Die vietnamesischen Personalpronomen umfassen mehr als 15 Wörter. Dadurch ist man sich auf Anhieb viel näher. So ein kaltes „Sie“ schafft Distanz, einen Schutz der Privatsphäre- ich bestimme, wer vom Sie ins Du aufsteigt. Privatsphäre ist in vielen Teilen des vietnamesischen Alltagslebens ein Fremdwort- das meiste wird geteilt, wie in einer großen Familie. In Deutschland bin ich immer ich, die Bezugsperson in meinem Leben.

3. Runde Melodie: Sätze vs. Wörter

Menschen aus dem westlichen Kulturkreis, die tonale Sprachen zum ersten Mal hören, können den schnellen Höhenwechsel im Vietnamesischen oder Chinesischen schwer einordnen, das hört sich alles ein bisschen… kreischend an. Oder singen sie? Im Vietnamesischen sind die meisten Wörter einsilbig oder setzen sich aus einsilbigen Wörtern zusammen. Um mehr Wörter zur Verfügung zu haben, verlängerten sich nicht wie bei uns die Wörter immer und immer weiter bis sie bei Dingen wie Quartvorhaltssextakkord ankamen, sondern Töne wurden hinzugefügt. Im Vietnamesischen sind es sechs Töne, Zeichen, die bestimmen in welcher Lage ein Wort ausgesprochen wird und es ihm damit seine Bedeutung verleiht.  Tìm tim tím heißt „Das violette Herz suchen“. Ma ist der Geist, das Pferd, die Wange, aber. Wer sich jetzt fragt, wer sich den Mist ausgedacht hat, der überlege, dass auch in Europa Tonhöhen benutzt werden. Nicht für die Worte, aber für Sätze. Was macht denn ? und ! für einen Unterschied für dich? Schon mal was von der Satzmelodie gehört? Den SchülerInnen in Vietnam fiel es in meiner Französischklasse sehr schwer, eine Frage als „Frage“ zu betonen. Im Vietnamesischen werden wiederum die verschiedenen Satzarten durch Worte (etwa không am Ende eines Fragesatzes) gekennzeichnet.

Gleiche Idee, unterschiedlich ausgeführt.

4. Runde Der Fisch: Im vs. Unten

Präpositionen sind in jeder Sprache schwierig zu erlernen. Warum? Weil auch damit wieder unterschiedliche Gedankengänge verknüpft sind. Ich war mir vollkommen sicher, dass der Fisch IM Fluss schwimmt ( ở trong sông), doch tatsächlich stellte sich hier mal wieder Selbstüberschätzung ein. In der vietnamesischen Sprache schwimmt der Fisch ở dưới sông. Bei der Übersetzung ins Deutsche sträubt sich alles in einem, die Übersetzung zu schreiben oder laut auszusprechen, weil sie einfach nicht richtig ist. Grob wäre es aber: Der Fisch schwimmt unten Fluss. Meine Vietnamesischlehrerin erklärte mir, dass das bis jetzt noch kein westlicher Schüler richtig gemacht hätte- nur die anderen Asiaten träten nicht in diese Falle. Die Meisterin erklärte dieses Phänomen folgendermaßen: Durch die Zeit der Aufklärung und der westlichen Philosophiegeschichte sei jedes Objekt sein eigener Bezugspunkt- so ist es, wenn wir über den Fisch reden, wichtig zu sehen, wie der Fisch die Situation sieht. Und der, wenn er reden könnte, würde es so sagen: IM Fluss. In einigen ostasiatischen Kulturkreisen war und ist immer noch der Mensch Bezugspunkt eines Objekts. Und der Mensch sieht, dass der Fisch unter ihm/seiner Augenhöhe schwimmt.

5. Runde Sprichwörter

Doch letztendlich sind Menschen Menschen. Wir sehen zwar alle ein bisschen anderes aus, doch wir alle haben, ein Herz, ein Gehirn, eine Seele usw. Das zeigt sich auch in der Sprache. Denn trotz meilenweiter geografischer Abstände haben sich manche Sprichwörter in verschiedenen Sprachen gleich entwickelt. Vervollständige die folgenden Wortgruppen: schwarz wie ?, schnell wie?, leicht wie?. Tinte, Blitz, Feder. Das ist im Deutschen und im Vietnamesischen so. Die grundlegende Wahrnehmung beweist, dass wir doch gar nicht so verschieden sind.
Natürlich haben sich in den letzten Jahrtausenden auch unterschiedliche Sprichwörter entwickelt, die der das Alltagsleben prägende Religion oder Lehre entstammen. In Vietnam und Deutschland gibt es die Liebe auf den ersten Blick, wenn der Blitz einschlägt (chớp thằng), doch in Vietnam verlieben sich auch Menschen, die lange beisammen sind automatisch- wenn der Reis lange nahe am Feuer liegt, wird er irgendwann anfangen zu brennen. Dass die Frau die Ernährerin der Familie ist, drückt die vietnamesische Sprache so aus: Wenn der Vater stirbt, hat das Kind immer noch Fisch zu essen. Wenn die Mutter stirbt, hat das Kind nichts mehr.
Es gibt noch unzählige Beispiele von Sprichwörtern, vielleicht werde ich ein anderes Mal darauf näher eingehen, doch für jetzt sollen diese Beispiele genügen.

 

 

Eine Sprache lernen heißt also, nicht nur Vokabeln zu pauken, sondern auch neue Gehirnwindungen zu erforschen, neue Gedankengänge zu formen. Dass mir das im Vietnamesischen ganz gut gelungen ist, habe ich erst gemerkt, als ich in einem Französischkurs in Hanoi saß und ich in meinen Texten die selben Übersetzungs- und Denkfehler machte wie meine vietnamesischen KommilitonInnen. Nach einem Blick auf meine ziemlich miese Arbeit, fragte mich Madame Chantal, ob ich denn vietnamesisch spräche. Das sehe man sofort an meinen Fehlern, die keine deutschen, sondern vietnamesische seien.
Ich bin natürlich nicht die erste, die das erkannt hat, was würden sonst all die LinguistInnen auf dieser Welt tun? Im Studium kommen auch meine Vorlesung zu Philosophie und Kultur Asiens nicht ohne Bezüge zur Lingusistik aus, die zu oft zu Unrecht als staubtrocken betrachtet wird. Homibaba, ein afrikanischer Denker, hat einen der schönsten Gedanken der Philosophiegeschichte formuliert. Auch er beschäftigte sich mit der ewigen Frage nach der Wahrheit und kam zu dem Schluss, dass etwas erst dann wahr wäre, wenn man es auf allen Sprachen der Welt ausdrücken könne.

 

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | 30. Mai 2012

Ein Bild sagt mehr als…

… tausend Räucherstäbchen. (Viet Tri)

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | 23. Mai 2012

Wo bin ich Mensch, wo darf ich sein?

Wo bin kultiviert, wo bin ich Kulturbanausin, was ist Recht, was Kultur, was Unsinn, was Hirngespinst und westliches Konstrukt, Menschlichkeit? Wenn mensch in dem Zwiespalt ist, ob ein Verhalten kulturell oder menschlich sind, ob Rechte regional oder global sind, wenn man selbst auf einmal Mittelpunkt der Integrationsdebatte ist und schreit „Ich will lieber Inklusion statt Integration“ – irgendwo da fängt mein Kopf an sich zu drehen und steht erst still, wenn mein Monolog das Thema wechselt. Reagieren oder agieren? Wie kann ich eine Kultur kritisieren, in der ich nicht aufgewachsen bin, wie kann ich Rechte unverteidigt lassen, die für mich da stehen, wo für die Vietnamesen Ho Chi Minh die Hand des Kapitalismus schüttelt? Es ist nicht neu: Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, die ganz andere Werte und Religionen und Augenfarben vererbt als die, in der ich jetzt lebe. Und wenn man die culture clashs mit Namen Verkehr und Essen verdaut hat, kommen die richtigen Brocken, die vor Fett triefen und üblen Durchfall verursachen können.

So gab es in letzter Zeit Situationen, die mich zum Wiederkäuer gemacht haben. Wieder und wieder stell ich mir die selben Fragen: Wo hört Kultur auf, wo fangen Menschenrechte an? Wo ist meine kulturelle Brille eine Scheuklappe, wo Bereicherung? Von Frühstück bis zum Abendessen zieht sich das, zu Hause, in der Uni, im Büro.

Was soll ich dazu sagen, wenn meine Vietnamesischlehrerin dazu ermuntert, Guttenberg nachzuziehen? Diskussion, böse Blicke, die Auffassung, was eine Zusammenfassung und was Paraphrasieren ist, ist unterschiedlich. Meine Textzusammenfassung ist falsch, weil ich alles in meinen Worten wieder gegeben habe. Warum ich nicht die markanten Sätze aus dem Text einfach zusammen geschrieben habe? Das sei doch der Unterschied zwischen einer Meinung (eigene Worte) und einer sachlichen Zusammenfassung (kopieren). Weil ich gelernt habe, dass… Naja, in Vietnam lernt man anders als in Deutschland. Und in Japan. Und in Taiwan. Wie meine Kommilitonen bestätigen. Aber vietnamesische Lehrer_innen liegen immer richtig. Die darf man nicht kritisieren, genauso wenig wie Eltern, Großeltern,… Zuhören ist gut, laut einem Sprichwort ist nichts sagen ja sogar Gold, aber manchmal täte den Mund aufmachen mancher verstockten Meinung ganz gut. Verstockt? Oder kulturell? Oder schon kriminell? Mein Mund öffnete sich, aber konnte nichts von sich geben, als der Vater meiner Freundin bei ihrer Geburtstagparty (übersetzt heißt das: die Männer haben einen Grund zum Saufen, das Geburtstagskind wäscht ab) sagt, wenn man seine Frau liebt, schlägt man sie? Das ist jetzt zitiert, nicht paraphrasiert. Alle Blicke auf mich- „Das finde ich nicht!“, „Komm ich schenk dir nach, Papa, du hast ja schon keinen Alkohol mehr“.

Darf man sich als Außenstehende einmischen? Hören die Leute einen oder sehen sie nur die weiße Haut und dann folglich rauschen, weil die da eh nichts von der Kutlur versteht? Was vielleicht auch stimmt. Aber Recht auf Unversehrtheit, das ist indiskutabel! Das Recht auf Meinungsfreiheit auch. Und das Recht auf… und… Ohne Zweifel gibt es universelle Rechte, die durch nichts in Abrede gestellt werden dürfen, aber wer bestimmt, was diese Rechte sind und welche Rechte schon irgendwie flexibel sind? Ist mein „Oh mein Gott!“ unverschämt oder berechtigt, wenn meine Vietnamesischlehrerin mir erzählt, dass eine glückliche Ehe darauf beruht, dass die Frau das Essen fertig hat, bevor der Mann von der Arbeit kommt? Eine Meinung, eine Sozialstruktur? Ein nicht-nachdenken oder ein Glücklichsein in der Rolle als Hausfrau?

So sitz ich mindestens einmal im Monat auf der Bambusmatte meiner Zweitfamilie in Vietnam, die mich mögen, genauso wie ich sie liebe, weil sie unglaublich herzlich, offen sind, ihr Lachen von tief innen kommt. Doch dann schau ich, wer um mich rum sitzt, schau wer abwäscht und ich weiß nicht, wo ich hin gehör. Warum sitzen die Frauen hier und die Männer dort? Warum liegt der Anteil des weiblichen Geschlechts beim Aufräumen bei geschätzt 5:1? Soll ich jetzt abwaschen, weil ich ja Teil der Familie sein will, etwas wiedergeben will, weil mir extra noch schnell was vegetarisches gekocht wurde? Oder verletze ich damit die Ehre aller unterdrückten Frauen und breche den Widerstand?

Da hallt die ewige Antwort meiner vietnamesischen Mitbewohnerin in den Weiten meiner Gedanken wieder: „DU bist nun mal in Vietnam, da musst du dich an die Kultur anpassen!“. „Ja verdammt!“, schreie ich zurück, „aber ich kann und WILL doch gar nicht 20 Jahre eingebläute Kultur und Werte auf einmal ersetzen! Siehst du denn nicht, dass alles seine guten und schlechten Seiten hat?!“, „Du bist aber in Vietnam und nicht in Deutschland…“.

Dann endlich die Chance- im Büro wird mein kleiner Traum wahr und ich darf ein Projekt konstruieren für Geschlechtergerechtigkeit. Meine Chance! Übermotiviert schreibe ich vor der Mittagspause 10 Seiten zusammen: Problem, Zielgruppe, Aktion, Risiken, Finanzplan… Mein Herz ist aufgegangen. Und geht sogleich unter, als mein Chef nach mehr oder weniger (!) gründlicher Lektüre keinen Kommentar an mich richtet, sondern nur zu meiner Abteilungsleiterin sagt: Du schreibst alles noch mal, das von heute Morgen ist von Grund auf westlich- Problemanalyse verkannt, Aktionsideen nicht anwendbar. Oh Welt, was bist du so grausam? Daraufhin ein Meinungsaufeinanderprallen, Diskussion kann man das nicht nennen. Ich: „Aber Frauen werden doch hier dazu erzogen, nicht gern zum Bierladen zu gehen“. Sie: „Nein, vietnamesische Frauen mögen einfach keine Orte, an denen viele Männer sitzen und laut und obszön reden“. Ich: „Da hast du´s, wegen den Männern. Eine Frau muss doch auch das Recht haben, Bier trinken zu gehen“. Sie: „Hat sie ja auch, sie geht nur lieber in ein Cafe, da ist es ruhiger und sauberer“. Ich: „Aber Frauen sind doch nicht geboren und denken sich, dass sie Cafes lieber mögen, das kommt doch von der Gesellschaft“. Wir drehen uns im Kreis und dann der K.O.Schlag: „Du kannst nicht einfach das westliche Konzept von Frausein, was Frauen wollen und was Gleichberechtigung bedeutet auf uns übertragen. Für uns ist Gleichberechtigung etwas anderes als für euch“. Was soll ich dazu sagen? Gar nichts. Bis heute bin ich stumm geblieben. Ich weiß es einfach nicht! Wo fängt Kultur an, was sind universelle Rechte, darf ich sagen „Du hast nicht zu Ende gedacht“ oder mache ich mich damit als Neokolonialistin lächerlich?

Aber wenigstens sagt mir mal jemand was. Manchmal steh ich einfach nur da, versteh nichts, weil viele Dinge für die hier Aufgewachsenen natürlich selbstverständlich sind. Aber für mich doch nicht, Leute! Vor allem gilt der Satz: 10 Vietnames_innen, 10 verschiedenen Antworten, wem soll ich da glauben? Glauben nicht wissen. Ich würde gerne eine Nase haben für kulturelle Selbstverständlichkeiten. Ich muss doch wissen, dass Mann nicht zum Spaß Biertrinken geht, sondern um Geschäfte zu machen! Eine Unterschrift unter einen Vertrag ist einfach nichts gegen einen Handschlag beim Bier. Muss ich doch wissen! Dass Sojakeime keinesfalls in die Suppe kommen. Dass Sojakeime in jedem Fall in die Suppe kommen (in diesem Fall zwei Vietnames_innen, zwei Antworten).

Ich hab in den Fragen, obwohl ich belächelt werde, noch ein bisschen Welpenbonus. Weil ich wegen meines äußeren Erscheinungsbildes nicht dazu gehöre. Meine halbvietnamesische und halbdeutsche Mitbewohnerin muss da einiges mehr einstecken. Leute die denken, sie ist Vietnamesin, werden wütend, wenn sie nicht korrekt in der ihr angedichteten Muttersprache antworten kann oder einen kulturellen Faux-Pas begeht. Leute, die denken, sie ist Latina (oh ja, das dachte ich auch, als ich sie das erste Mal sah), macht das alles irgendwie gar nichts aus. Was, wie, wann, wo verhalte ich mich? Wie sehen mich die Leute? Was erwarten sie, was muss ich tun? Sie hat noch viel mehr Kopfschmerzen als ich, weil für mich der eine Teil erlernt, der andere angeboren ist. Für sie ist beides beides und wieder nichts.

Lösung? No way! Antwort? Forget it, baby! Vielleicht schreib ich meine Bachelorarbeit über das Thema, dann darf ich ganz offiziell dumme Fragen stellen…

Verfasst von: juliagoesweltwaerts | 22. Mai 2012

Ein Bild sagt mehr als…

… tausend Parkplätze. (Hanoi, by Trinh Minh Ha)

 

Older Posts »

Kategorien